Olympic Realities

Olympic Realities ist nicht nur eine hoch ästhetische Dokumentation des Weiterlebens, sondern auch eine feinsinnig kluge Darstellung einer Heimsuchung.

Olympic Realities is not only a highly aesthetic record of endurance, but also a sharp portrayal of an inescapable recurrence.

Presse / Press

Metropolis Magazine New York / 50 Books to Read this Fall
Diseño Interior Barcelona / Bericht mit Interview über Olympic Realities – Oktober 2015
Domus Magazin Berlin / Bericht mit Interview zu Olympic Realities / Oktober 2015 (pdf)
Tages Anzeiger / Buchrezension & Bildstrecke / Dezember 2015
Neue Zürcher Zeitung / Buchrezension & Bildstrecke / Dezember 2015
Neue Zürcher Zeitung / Bildstrecke / Dezember 2015

Metropolis Magazine New York / 50 Books to Read this Fall
Diseño Interior Barcelona / Report and interview about – October 2015
Domus Magazine Berlin / Report and Interview / Oktober 2015 (pdf)
Tages Anzeiger / Book review and image gallery / Dezember 2015
Neue Zürcher Zeitung / Book review and image gallery / Dezember 2015
Neue Zürcher Zeitung / Book review and image gallery / Dezember 2015

Metropolis Magazine USA, September 2015
von Avinash Rajagopal

OLYMPIC REALITIES / Photographs by Bruno Helbling
In recent years, Rio de Janeiro has erupted in protests over the budget for sports arenas, and Tokyo scrapped a long-planned stadium because of rising costs. Helbling’s images are fuel for this growing debate on major sporting events. Since 2012, he has been photographing the afterlife of Olympic venues in six cities, capturing, for instance, a happy sunbather and his dog in Sarajevo (host of the 1984 Winter Games) and circus tents juxtaposed against Herzog & de Meuron’s 2008 National Stadium in Beijing. The incongruousness that he frames might prompt the question of why we continue to tolerate the wastefulness of these projects. But the quiet humor might also lead one to ask, “Why not?”

Tages Anzeiger, CH 9.12.2015
von Silvan Schweizer

VON WEISSEN UND LEBENDIGEN ELEFANTEN
Die Idee hatte Bruno Helbling auf einem Kurztrip nach Berlin. Der Zürcher Architekturfotograf war fasziniert vom ­Olympiagelände, das 1936 Stätte einer der grössten Propaganda-Veranstal­tungen des Dritten Reichs gewesen war. Das prächtige Olympiastadion ist nach einer Sanierung noch immer in Betrieb, die Hertha trägt dort ihre Heimspiele aus. Die Schwimmanlage nebenan konnte derweil den unheimlichen Schleier der Vergangenheit nie ablegen. Und die Olympischen Ringe, die einst stolz am Eingang prangten, fand Helbling an ­einer Wand gelehnt im Abstellraum ­einer Turnhalle. Er fragte sich: «Wie ­sehen andere Olympiaorte nach dem Grossanlass aus? Wie gingen sie mit dem Kater nach dem rauschenden Fest um?» Dafür reiste der Fotograf zusätzlich nach Athen, Sarajevo, Turin, Peking und ­Sotschi. Herausgekommen ist «Olympic Realities», ein Bildband mit starken ­Eindrücken – im Schnee, im Smog, in der Stille. Dazu Beobachtungen von Ortsansässigen. So erzählt Francesco Pastorelli, dass 2014 Diebe dabei er­wischt wurden, wie sie bei der still­gelegten Turiner Bobbahn Kupfer klauen wollten. Auch die SRF-Korrespondenten Werner van Gent (Athen) und Barbara Lüthi (Peking) steuerten Essays bei.
«Es geht mir nicht darum, anzuklagen», sagt Helbling. «Ich möchte auf­zeigen, wie wichtig es ist, solche Spiele gewissenhaft und nachhaltig zu planen.» Er hat viele weisse Elefanten gesehen, wie die Engländer jene Grossbauten ­nennen, die im Nachgang kaum mehr Verwendung finden und langsam zer­fallen. Es gibt aber auch positive Beispiele wie das Olympische Dorf von ­Sarajevo, dem nach den Kriegsjahren neues Leben ­eingehaucht wurde. Heute ist es eine lebendige Wohnsiedlung. (sis)

Neue Zürcher Zeitung CH 16.12.2015
von Ivo Mijnssen

ROSTENDES ERBE DER SPIELE
Ein Fotoband führt die Langzeitfolgen des olympischen Gigantismus vor Augen
Olympia – das ist ein Fest des Sports mit Blitzlichtgewitter, strahlenden Siegern und farbigen Fassaden. Olympische Spiele bedeuten aber auch Kostenüberschreitungen und ein raues Erwachen am Morgen danach. «Eine grandiose Fete und ein langer, langer Hangover» betitelt Werner van Gent denn auch seinen Essay über die Spiele von Athen, einen von sechs Begleittexten im Fotoband «Olympic Realities» von Bruno Helbling. Mit eindringlichen Bildern dokumentiert Helbling die olympische Hinterlassenschaft in Athen, Berlin, Sarajevo, Turin, Peking und Sotschi. Streunende Hunde, verbogene Strassenschilder und abblätternde Farbe prägen das Bild. Wie im Winterschlaf liegt die Skisprungschanze der Turiner Spiele in der Hochsaison unter einer dicken Schneedecke, jene von Sarajevo ist von Gestrüpp überwachsen und durch Sprayereien verunstaltet. Andere Anlagen fügen sich organischer in ihre Umgebung ein – überraschenderweise vor allem die älteren. So wirkt die Rennbahn der Athener Spiele von 1896 deutlich frischer als die «weissen Elefanten» von 2004, und Berlin trägt Sorge zum Olympiastadion von 1936. Die Anlagen von Sotschi sahen hingegen bereits 2014 während der Spiele verlebt aus. Helbling und seine Co-Autoren zeichnen eindringliche Porträts der olympischen Stätten. Es mag sein, dass es auch positivere Beispiele gäbe. Die zentrale Frage – wozu dieser Gigantismus angesichts seiner Langzeitfolgen gut sein soll – stellt der Bildband aber in der gebotenen Schärfe.

Domus Magazin DE Nov/Dez. 2015
von Nancy Jehmlich

NACH DEN SPIELEN DAS WIRKLICHE LEBEN
Es blinkt, es leuchtet, glänzt und strahlt. Die Bilder der Olympiade zeigen während der Spiele eine saubere und durchgeplante Welt.
Nichts geht über Selbstdarstellung im globalen Wettkampf. Doch was passiert mit den olympischen Hallen, Dörfern und
groß angelegten Promenaden, wenn der ganze Zauber vorbei ist?
Der Fotograf Bruno Helbling wollte es wissen und besuchte sechs ehemalige olympische Städte.

Die Olympischen Spiele sind ein sportliches Großereignis in jeglicher Hinsicht – ob finanziell, medial oder global. Zwei Wochen lang steht eine Stadt im Fokus der Welt.
Doch was passiert nachdem die internationalen Sportler samt ihrem Großgefolge die olympischen Hallen wieder verlassen haben?
Der Schweizer Fotograf Bruno Helbling stellte sich dieser Herausforderung und reiste in sechs olympische Städte, um die Sportstätten zu besuchen – und natürlich zu fotografieren.
„Als ich 2011 in Berlin einige der Olympiabauten besuchte, war ich schaurig- fasziniert davon, dass dieser ,nationalsozialistische Geist‘ immer noch präsent ist und viele der Gebäude den Krieg und den Wiederaufbau überstanden haben.
Daraufhin habe ich mich gefragt, wie das in anderen Städten aussieht und was mit der olympischen Infrastruktur nach den Spielen passiert ist“, erinnert sich Helbling an den Moment, als ihm die Idee zu dem Projekt kam.

OLYMPISCHE WIRKLICHKEIT
Mit der Planung des Projekts „Olympic Realities“ begann er 2011, die ersten Aufnahmen entstanden 2012 in Berlin. Er entschied sich für sechs Städte: Athen, Berlin, Sarajevo, Turin, Peking und Sotschi.
Bei seiner Auswahl versuchte er einen möglichst weiten zeitlichen und geografischen Bogen zu spannen.
Beginnend bei den ersten Olympischen Spielen der Neuzeit im Jahr 1896 in Athen bis zu den letzten im Jahr 2014 in Sotschi, von Europa bis Asien. Innerhalb dieser Zeit sind die olympischen Spiele in ihrem
Umfang stetig gewachsen. Gingen in Athen 1896 noch rund 250 Athleten aus 14 Ländern an den Start, waren es bei den Sommerspielen 2008 in Peking über 11.000 Athleten aus 204 Ländern.
Die Olympiade von 1936 in Berlin nimmt sowohl in der Geschichte der Spiele als auch im Buch von Bruno Helbling eine herausragende Stellung ein. Sie gilt als „Mutter“ der politischen Instrumentalisierung.
NS-Deutschland nutzte sie, um sich außenpolitisch positiv darzustellen und lockerte für die Spiele seine innenpolitischen Unterdrückungsmaßnahmen. Dadurch konnte es den Boykott durch
andere Länder abwenden. „Außerdem stellen die olympischen Spiele in Berlin bis heute einen Meilenstein in der Übertragung von Sportveranstaltungen dar. Zum ersten Mal
war es möglich, auch außerhalb der Stadien die Wettkämpfe live mitzuverfolgen“, erläutert Peter Dittmann in seinem umfangreichen Essay, der die Bilder von Bruno Helbling im Buch begleitet.
Zu jeder der sechs Fotostrecke hat ein Autor mit besonderem Bezug zum jeweiligen Austragungsort einen ausführlichen Text verfasst, der in die komplexe Thematik einführt.
So erläutert der Autor Ahmed Buric in seinem Essay zu den Spielen in Sarajevo, warum die Austragung von Anfang an unter einem schlechten Stern stand und letztendlich nur scheitern konnte.
„Die Verwüstung der olympischen Anlagen während der Aggression aus Bosnien-Herzegowina wirkte wie der letzte Akt eines dance macabre.“ Am Schluss resümiert Buric:
„Heute kann man von Sarajevo, leider, nicht behaupten, es sei eine olympische Stadt.
Es ist eine Stadt, in der einmal Olympische Spiele abgehalten wurden. Und es ist eine Stadt, die noch lange darauf warten wird, dass sich dieses Bewusstsein ändert.“

WAS AM ENDE ÜBRIG BLEIBT
Somit sind die Bilder von Bruno Helbling auch ein Spiegel der politischen und wirtschaftlichen Stabilität eines Landes. So kletterte er in Sarajevo mit schwerem Fotokoffer auf dem Rücken die zerstörte Sprungschanze hoch, um den heutigen Zustand fotografisch festhalten zu können, denn außer der Olympiahalle Zetra, die im Krieg zerstört und 1999 rekonstruiert wurde, verweisen nur wenige der Bilder auf eine Nachnutzung oder Instandhaltung. In Berlin wurde saniert und wiederaufgebaut. Das olympische Dorf steht unter Denkmalschutz. Doch wollte man im Berliner Olympiastadion für die Fotogenehmigung Geld, sodass Helbling das Stadion nur von außen fotografiert hat. Am Ende findet sich dann doch eine Gemeinsamkeit zwischen all diesen Spielorten, denn laut Bruno Helbling stellte die überdimensionierte Infrastruktur für jede einzelne dieser Städte eine nicht zu bewältigende Herausforderung dar.